Wenn ältere Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihren Alltag alleine zu bewältigen, wünschen sich viele – anstelle eines Pflegeheims – eine individuelle Betreuung in den eigenen vier Wänden. Eine sogenannte „24-Stunden-Betreuungskraft“, die im Haushalt mitwohnt, kann genau diese Lösung bieten. Doch was kostet eine solche Betreuung konkret? Und worauf sollten Familien achten?
In diesem Artikel erhalten Sie einen umfassenden Einblick in Kosten, Vergütungsmodelle, rechtliche Rahmenbedingungen und praktische Tipps, damit Sie fundiert entscheiden können, ob eine Betreuungskraft im eigenen Zuhause infrage kommt.
Kostenübersicht: Was fällt bei einer Betreuung im eigenen Haus an?
Die Kosten einer Betreuungskraft, die bei Ihnen wohnt, hängen von verschiedenen Faktoren ab: Deutschkenntnisse, Qualifikation, Vermittlungsart und Zusatzleistungen spielen eine große Rolle. Zudem unterscheidet man zwischen direkten Anstellungen, der Entsendung durch Agenturen und legaler Selbstständigkeit.
Aktuelle Kosten (Stand 2024/2025) für eine legal entsendete Betreuungskraft aus Osteuropa (z. B. Polen, Rumänien, Bulgarien):
Monatlich ca. 2.000 € bis 3.500 €
Durchschnittlich belaufen sich die Kosten in Deutschland auf ca. 2.400 €–2.800 € monatlich
Leistungen enthalten meist:
Grundpflege (Körperhygiene, Hilfe beim Ankleiden)
Hauswirtschaft (Kochen, Putzen, Einkaufen)
Gesellschaft und Alltagsbegleitung
Was beeinflusst den Preis?
Sprache: Gute Deutschkenntnisse erhöhen den Preis um 200–400 €/Monat
Pflegegrad: Höherer Unterstützungsbedarf = höhere Kosten
Nachtbereitschaft oder viele Arztbesuche = Zuschläge möglich
Feiertags- und Wochenenddienste = Zuschläge von 50–100 €
Zusätzliche Ausgaben:
Unterkunft & Verpflegung der Betreuungskraft: Wird kostenlos im Haushalt bereitgestellt
Steuer und Sozialabgaben nur bei Direktanstellung (meist geregelt durch die Agentur)
Vereinsmitgliedsbeiträge bei Selbstvermittlung (z. B. ca. 10–30 € monatlich)
Eventueller Ersatz bei Krankheit oder Urlaub: Je nach Vertrag inklusive oder Zusatzoption
Finanzierungsmöglichkeiten & Förderungen – Wie Senioren und Angehörige unterstützt werden
Da die Kosten über mehrere Monate hinweg eine große finanzielle Belastung darstellen können, gibt es verschiedene staatliche und private Finanzierungshilfen, die Familien entlasten können.
Pflegegrad:
Bei Vorliegen eines Pflegegrads (1–5) zahlt die Pflegekasse ein Pflegegeld:
Pflegegrad 2: 316 €
Pflegegrad 3: 545 €
Pflegegrad 4: 728 €
Pflegegrad 5: 901 €
Diese Beträge können für die Finanzierung der Betreuungskraft verwendet werden.
Entlastungsbetrag:
Monatlich 125 € (§45b SGB XI) stehen zusätzlich zur Verfügung
Kann für Haushaltshilfe, Reinigung oder begleitende Dienste genutzt werden
Verhinderungspflege (§39 SGB XI):
Bis zu 1.612 €/Jahr für Ersatzpflegeperson bei Ausfall einer privaten Pflegeperson – kann anteilig auf die Betreuungskraft angewendet werden
Kombination mit Kurzzeitpflege möglich (zusätzlich bis 806 €)
Steuerliche Absetzbarkeit:
Bis zu 20.000 € jährlich können als haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich geltend gemacht werden (20 % steuerlich absetzbar = bis zu 4.000 € Ersparnis)
Tipp: Lassen Sie sich individuell durch einen Pflegestützpunkt oder eine Pflegeberatung in Ihrer Region beraten – eine kostenfreie Anlaufstelle für alle pflegerelevanten Fragen.
Für wen ist eine Betreuungskraft geeignet? Besonderheiten bei Senioren beachten
Eine im Haushalt lebende Betreuungskraft bietet vor allem dann Vorteile, wenn Senioren möglichst lange in der vertrauten Umgebung bleiben, aber körperliche oder kognitive Einschränkungen die Selbstständigkeit im Alltag deutlich erschweren.
Geeignet für:
Menschen mit mittlerem bis hohem Pflegebedarf (z. B. Pflegegrad 3+)
Demenzbetroffene, die ständige Orientierung und emotionale Nähe benötigen
Bettlägerige Personen, die rund um die Uhr eine Ansprechperson brauchen
Alleinlebende Senioren ohne Angehörige in unmittelbarer Nähe
Weniger geeignet bei:
Chronischer Aggressivität oder psychischen Erkrankungen, die intensive Fachpflege benötigen
Wohnsituation ohne separates Zimmer für die Betreuungskraft
Pflegefälle mit hohem medizinischen Aufwand (z. B. Beatmungspflicht)
Besondere Vorteile für Senior*innen:
Emotionale Sicherheit durch feste Bezugsperson
Aktivierung im Alltag durch gezielte Betreuung, Spaziergänge, gemeinsames Kochen oder Spiele
Flexible Hilfe – auch am Wochenende oder abends
Entlastung der Angehörigen – besonders bei gleichzeitiger Berufstätigkeit
Hinweis: Angehörige sollten offen mit der betreuten Person über die Einführung einer Betreuungskraft sprechen. Der Vertrauensaufbau durch Probephasen oder Hospitationstag steigert langfristig die Akzeptanz und Zufriedenheit.
Auswahl, Organisation und rechtliche Aspekte – was Sie vor Vertragsabschluss beachten sollten
Der Markt für 24h-Betreuung ist unübersichtlich – umso wichtiger ist eine seriöse Planung und die Wahl eines transparenten Anbieters. Achten Sie auf rechtssichere Entsendeformen und faire Regelungen für beide Seiten.
Entsendung über Agenturen:
Die gängigste und rechtssichere Form
Betreuungskraft ist im Herkunftsland sozialversichert
Agentur stellt Vertrag auf Deutsch & sorgt für Ersatzkräfte bei Ausfall
Vermittlung inkl. Erstberatung, Auswahlprofile und Notfallservice
Selbstständige Betreuungskräfte:
Rechtlich heikler, da Gefahr der Scheinselbstständigkeit
Keine durchgängige Qualitätskontrolle
Vereinbarung und Organisation meist auf eigene Faust
Eigene Anstellung (Arbeitgeber ist Familie):
Vollständige Verantwortung über Lohn, Steuer & Versicherung
Qualifiziertes Knowhow notwendig, daher selten der Praxisfall
Wichtige Punkte im Vertrag:
Genaue Tätigkeitsbeschreibung (Pflege vs. Hauswirtschaft)
Arbeitszeiten & Ruhephasen (gesetzlich mind. 11 Std./Tag Ruhe)
Kündigungsfrist (normalerweise 2–4 Wochen)
Probezeitregelung (z. B. 2 Wochen)
Vertretungsregelung im Krankheitsfall
Tipp: Achten Sie auf TÜV-zertifizierte Anbieter oder Mitglieder im BQAP (Bundesverband für Qualitätsbetreuung in der häuslichen Pflege) – hier gelten strengere Standards.
Fazit
Eine Betreuungskraft, die bei Ihnen wohnt, ist eine hervorragende Möglichkeit, Senioren ein sicheres und würdevolles Leben zuhause zu ermöglichen – oft zu deutlich geringeren monatlichen Kosten als ein Pflegeheimplatz. Mit einer durchdachten Auswahl, professioneller Vermittlung und sinnvollen Fördermaßnahmen lässt sich diese Form der Betreuung nicht nur rechtssicher, sondern auch menschlich stimmig gestalten.